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Gender Pension Gap: 853 € weniger im Monat und wie du deine Lücke schließt

Julia Kohnke, Vorsorgeberaterin bei zuversichert.de in KoblenzJulia Kohnke Aktualisiert am 5. November 2026 12 Min. Lesezeit

Blonde Mutter sitzt mit ihrem Baby auf dem Schoß am Esstisch und arbeitet am Laptop

Rund 853 € im Monat. So viel weniger haben Frauen ab 65 im Schnitt aus ihrer eigenen Rente und Vorsorge als Männer[1][R1]. Krass, oder? Doch bewusst dafür entschieden hat sich kaum eine Frau, denn diese Lücke wächst ganz leise, mit jeder Elternzeit und jedem Jahr in Teilzeit.

Deshalb zeigen wir dir hier, wie die Lücke entsteht, was sie dich kosten kann und mit welchen fünf Hebeln du gegensteuerst. Am Beispiel einer Mutter in Teilzeit siehst du, wie zehn Stunden mehr pro Woche und 100 € Sparrate im Monat zusammen rund 500 € mehr Rente im Monat bringen können. Behalte vor allem den fünften Hebel im Hinterkopf, denn den kannst du nur gemeinsam mit deinem Partner ziehen.

Was ist der Gender Pension Gap?

Der Gender Pension Gap ist der Abstand zwischen dem, was Frauen und Männer ab 65 Jahren im Schnitt im Alter an Einkommen haben, angegeben in Prozent[2]. Auf Deutsch sagt man auch Rentenlücke. Gezählt werden Renten, Pensionen und Renten aus privater Vorsorge.

Zählt man nur das, was sich jede und jeder selbst aufgebaut hat, kommen Frauen im Schnitt auf 18.233 € im Jahr, Männer auf 28.473 €[1]. Der Unterschied beträgt 10.240 € im Jahr, und genau das sind die 853 € im Monat vom Anfang dieses Artikels. Frauen haben also 36 % weniger.

Vielleicht hast du anderswo schon eine kleinere Zahl gelesen, nämlich 24 %. Auch sie stimmt, denn dabei ist zusätzlich die Witwenrente mitgezählt. Das ist das Geld, das du nach dem Tod deines Ehepartners unter bestimmten Bedingungen aus seiner Rente bekommst, in der Regel 55 Prozent[3]. Männer können das genauso als Witwerrente bekommen, nur ist das viel seltener. 2023 bezogen rund 29 % der Frauen ab 65 eine solche Rente, aber nur gut 6 % der Männer[4]. Rechnet man sie mit ein, kommen Frauen auf 21.865 € im Jahr und Männer auf 28.839 €, und der Abstand schrumpft auf 24 %.

Nur selbst aufgebaut

36,0 %

Frauen 18.233 €, Männer 28.473 € im Jahr

Mit Witwen- und Witwerrente

24,2 %

Frauen 21.865 €, Männer 28.839 € im Jahr

Quelle: Statistisches Bundesamt, EU-SILC 2025, Einkommen des Vorjahres, brutto.

In diesem Artikel rechnen wir mit den 36 %, denn die Witwenrente hängt am Arbeitsleben deines Partners, und planen kannst du mit ihr nicht.

Allerdings betrachtet die Statistik jede Person für sich und nicht den Haushalt[2]. Solange ihr als Paar eine gemeinsame Kasse habt, spürst du den Abstand also vielleicht gar nicht. Doch genau das ist der Haken, denn eine gemeinsame Kasse hält nur so lange wie die Beziehung.

Immerhin wird die Lücke kleiner, von 37,7 % im Jahr 2023 auf 36,0 % im Jahr 2025[1]. Bei diesem Tempo wäre sie rein rechnerisch aber erst in gut 40 Jahren geschlossen[R2]. Bis dahin trifft Armut im Alter Frauen häufiger. Ab 65 gelten 21,3 % der Frauen als armutsgefährdet, haben also weniger als 60 % des mittleren Einkommens. Bei den Männern sind es 17,3 %[5].

Wie entsteht deine gesetzliche Rente?

Deine gesetzliche Rente entsteht aus Rentenpunkten, die du Jahr für Jahr auf deinem Rentenkonto sammelst. Verdienst du in einem Jahr genau so viel wie der Durchschnitt aller Versicherten, gibt es dafür einen Punkt. 2026 liegt dieser Durchschnitt bei vorläufig 51.944 €[6]. Verdienst du die Hälfte, bekommst du auch nur einen halben Punkt.

Jeder Punkt ist heute 42,52 € Rente im Monat wert[7]. Am Ende werden alle Punkte addiert und mit diesem Wert multipliziert. Es zählt also nicht dein letztes Gehalt, sondern dein ganzes Arbeitsleben. Wie viele Punkte du schon hast, siehst du auf deiner Renteninformation, dem Schreiben, das dir die Rentenversicherung regelmäßig schickt.

Warum bekommen Frauen weniger Rente?

Frauen bekommen weniger Rente, weil sie im Laufe ihres Arbeitslebens weniger Rentenpunkte sammeln, und zwar aus mehreren Gründen zugleich. Das beginnt oft ganz unspektakulär. Das Kind kommt, einer von beiden bleibt zu Hause, und danach passt die halbe Stelle erst einmal am besten zur Kita. Jede zweite angestellte Frau arbeitet in Teilzeit, bei den Männern ist es nur jeder siebte[8]. Wer halbtags arbeitet, sammelt aber eben auch nur halbe Punkte.

Dazu kommt das Gehalt. Pro Stunde verdienen Frauen im Schnitt 16 % weniger als Männer[9]. Selbst wenn man Unterschiede wie Beruf und Arbeitszeit herausrechnet, bleiben von diesen 16 % noch 6 % übrig. Weniger Gehalt heißt am Ende auch weniger Rentenpunkte.

Aber gibt es für Kinder nicht extra Punkte? Doch, und das ist auch gut so. Für jedes Kind schreibt dir die Rentenversicherung bis zu drei Jahre sogenannte Kindererziehungszeit gut, und jedes dieser Jahre bringt rund einen Punkt[10]. Das fühlt sich nach Ausgleich an. Doch diese Punkte bekommst du auch dann, wenn du in dieser Zeit weiterarbeitest, und zwar zusätzlich zu den Punkten aus deinem Gehalt. Wer weiterarbeitet, hat am Ende also beides, und wer pausiert, nur die Punkte fürs Kind.

Obendrein muss das Geld bei Frauen länger reichen. Eine 65-jährige Frau hat statistisch noch 21,2 Jahre vor sich, ein gleichaltriger Mann 18,0 Jahre[11]. Weniger Rente trifft also auf mehr Rentenjahre.

Was kostet dich die Lücke konkret?

Was dich die Lücke konkret kostet, hängt von deinem Gehalt und deinen Jahren in Teilzeit ab. Bisher ging es um den Schnitt aller Frauen. Wie das im Leben einer einzelnen Frau aussieht, zeigt der Vergleich von Nina mit ihrem Ex-Mann Tom.

Frau mit dunklen Haaren rechnet am Küchentisch mit Taschenrechner und Unterlagen

Nina, 41

Ein Kind, arbeitet halbtags, 52.000 € Gehalt in Vollzeit

Nina war zwölf Jahre mit Tom verheiratet, inzwischen sind die beiden geschieden. Nach zwei Jahren Vollzeit kam ihr Kind, sie blieb drei Jahre zu Hause und arbeitete danach sieben Jahre halbtags. Tom verdiente in Vollzeit 62.500 € im Jahr und arbeitete durch.

Beispielperson, wie wir sie oft in der Beratung treffen.

Erinnerst du dich an die Regel? Wer so viel verdient wie der Durchschnitt, also 51.944 €, bekommt einen Punkt im Jahr. Toms 62.500 € bringen ihm deshalb rund 1,2 Punkte im Jahr, Ninas 52.000 € in Vollzeit ziemlich genau einen Punkt. Über die zwölf Jahre sieht das so aus.

Rentenpunkte aus zwölf Jahren

Tom, Vollzeit14,44 Punkte

Gehalt

Nina in zwölf Jahren Vollzeit, nur aus dem Gehalt12,01 Punkte

Gehalt

Nina, wie es wirklich war8,51 Punkte

2,00
3,00
3,50

■ zwei Jahre Vollzeit   ■ drei Jahre Kindererziehungszeit   ■ sieben Jahre halbtags

Aus denselben zwölf Jahren nimmt Tom also 5,93 Punkte mehr mit als Nina. Bei 42,52 € je Punkt sind das rund 252 € Rente im Monat. Rechnest du das auf 20 Jahre Rente hoch, kommst du auf rund 60.500 €[R3]. Autsch.

Woher kommen diese 252 €? Rund 149 € gehen auf die sieben Jahre halbtags zurück, denn das sind die 3,50 Punkte zwischen den beiden Nina-Balken. Die übrigen 103 € stammen vom niedrigeren Gehalt, das sind die 2,43 Punkte zwischen Tom und Nina in Vollzeit. Die drei Jahre zu Hause fallen in diesem Vergleich nicht auf, weil die Kindererziehungszeit genauso viel bringt wie Ninas Gehalt. Hätte sie durchgearbeitet, hätte sie die drei Punkte allerdings zusätzlich bekommen.

Dabei hat Nina nichts falsch gemacht. Für ihre Familie war diese Entscheidung genau richtig, und das darf sie auch bleiben. Nur sollte sie wissen, was sie auf dem Rentenkonto kostet, denn erst dann lässt sich etwas dagegen tun.

Dein eigener Wert

Was kostet dich deine eigene Auszeit? Das zeigt dir unser Rechner für Elternzeit und Teilzeit, wenn du dein Gehalt und deine Jahre einträgst.

Fünf Hebel gegen deine Rentenlücke

Du musst nicht alles auf einmal ändern, und nicht jeder Hebel passt zu jedem Leben. Fang einfach bei dem an, der dich am wenigsten kostet.

Hebel 1: Dein Rentenkonto prüfen

Dieser Hebel kostet dich nur einen ruhigen Nachmittag. Du prüfst, ob deine Kindererziehungszeiten, also die Jahre mit den extra Punkten für dein Kind, überhaupt auf deinem Rentenkonto stehen. Das passiert nämlich nicht immer von selbst. Du beantragst sie grundsätzlich mit einer Kontenklärung, einem Antrag, mit dem die Rentenversicherung dein Konto auf Lücken prüft und fehlende Zeiten einträgt[10]. Fehlen sie, fehlt dir bares Geld.

Normalerweise zählen diese Jahre bei dem Elternteil, der das Kind überwiegend erzogen hat. Ihr könnt aber auch gemeinsam festlegen, wer sie bekommt, damit die Punkte dort landen, wo sie am meisten fehlen. Dafür gebt ihr bei der Rentenversicherung eine gemeinsame Erklärung ab. Sie gilt für die kommenden Monate und kann höchstens zwei Monate zurückreichen, deshalb redet ihr am besten früh darüber.

Bis zum zehnten Geburtstag deines Kindes wartet außerdem ein Bonus für Teilzeit. Arbeitest du in dieser Zeit in Teilzeit, wertet die Rentenversicherung deine Punkte um die Hälfte auf, aus einem halben Punkt im Jahr werden also drei viertel. Die Bedingung ist, dass bis zu deiner Rente mindestens 25 Jahre auf deinem Konto stehen, und dazu zählen neben Arbeitsjahren zum Beispiel auch deine Kindererziehungszeiten[12]. Du musst dafür nichts weiter tun, wenn die Kindererziehungszeit bei dir eingetragen ist. In den 8,51 Punkten aus der Grafik haben wir diesen Bonus noch nicht mitgezählt. Für ihre sieben Jahre halbtags bekommt Nina so noch rund 1,75 Punkte dazu, das sind rund 74 € Rente im Monat[R4]. Nice!

Hebel 2: Im Minijob nicht auf die Rente verzichten

Hast du gerade einen Minijob? Dann bist du grundsätzlich rentenversichert und zahlst einen kleinen Teil selbst. Arbeitest du bei einem Unternehmen, sind das 3,6 % deines Lohns. Beim höchsten Minijob-Lohn von 603 € im Monat macht das 21,71 € im Monat aus, also rund 261 € im Jahr[13]. Auf Antrag kannst du dich davon befreien lassen. Doch genau das solltest du dir gut überlegen. Bei 7.236 € Lohn im Jahr sammelst du nämlich rund 0,14 Punkte, und das sind knapp 6 € Rente im Monat. Nach rund 44 Monaten Rente hast du deine 261 € also wieder heraus[R5]. Das macht aus einem Minijob noch keine gute Rente. Trotzdem macht auch Kleinvieh Mist, denn jedes Minijob-Jahr zählt außerdem voll für die fünf Jahre, die du mindestens für einen Rentenanspruch brauchst.

Das Beste daran ist, dass du nicht festgelegt bist. Seit dem 1. Juli 2026 lässt sich eine frühere Befreiung einmalig rückgängig machen, vorher ging das nicht.

Hebel 3: Ein paar Stunden mehr, wenn es wieder geht

Mehr Stunden bringen oft besonders viel, doch diesen Hebel kannst du nicht immer frei wählen. Solange die Kita um 14 Uhr schließt oder deine Eltern dich brauchen, ist er vielleicht einfach nicht dran. Wird dein Kind aber größer, lohnt sich die Rechnung. Nina arbeitet heute 20 von 40 Stunden und sammelt damit einen halben Punkt im Jahr. Mit 30 Stunden wären es drei viertel Punkte, also 0,25 mehr. Bis zu ihrer Rente mit 67 hat sie noch 26 Jahre, und so kommen rund 6,5 Punkte dazu. Das sind rund 276 € mehr Rente im Monat[R6], und mehr Gehalt hat sie obendrein.

Einen festen Anspruch auf mehr Stunden gibt es leider nicht. Dein Arbeitgeber muss dich aber bevorzugt berücksichtigen, wenn eine passende Stelle frei wird und du ihm deinen Wunsch in Textform mitgeteilt hast, zum Beispiel per E-Mail[14]. Stehst du dagegen noch vor der Teilzeit, frag nach der Brückenteilzeit. Das ist Teilzeit mit festem Enddatum. In Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten kannst du deine Stunden damit für ein bis fünf Jahre verringern und danach zur alten Arbeitszeit zurückkehren[15].

Frau mit hochgesteckten rotblonden Haaren sitzt am Schreibtisch und sieht ihre Unterlagen durch

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Wie groß ist deine Lücke? Wir rechnen sie mit dir durch.

Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf dein Rentenkonto und deine Pläne. Danach weißt du, welche Hebel sich für dich lohnen und welche nicht.

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Hebel 4: Eigene Vorsorge mit Förderung aufbauen

Ab 2027 kommt ein neues Werkzeug dazu, das gerade bei kleinen Beiträgen stark ist. Ein Depot ist ein Konto für Wertpapiere, und das Altersvorsorgedepot ist eines, das der Staat für deine Rente fördert. Auf deine ersten 360 € im Jahr legt er 50 Cent je Euro drauf und auf die nächsten 1.440 € noch 25 Cent, das ist die sogenannte Grundzulage[16]. Für jedes Kind mit Kindergeld gibt es zusätzlich die Kinderzulage, nämlich 1 € für jeden Euro, den du einzahlst, bis zu 300 € im Jahr. Bei verheirateten Eltern geht sie automatisch an die Mutter, wenn ihr nichts anderes beantragt.

Spart Nina ab 2027 jeden Monat 100 €, sind das 1.200 € im Jahr. Auf die ersten 360 € bekommt sie 180 €, auf die restlichen 840 € noch 210 €, zusammen also 390 € Grundzulage. Dazu kommen 300 € Kinderzulage, in unserem Beispiel noch sieben Jahre lang, bis ihr Kind 18 wird. In den 25 Jahren bis zur Rente zahlt sie 30.000 € ein, und der Staat legt 11.850 € obendrauf, nämlich 25-mal 390 € und 7-mal 300 €.

Nehmen wir an, ihr Geld wächst nach Abzug der Depotkosten um 5 % im Jahr, was natürlich niemand garantieren kann. Dann liegen mit 67 rund 81.800 € im Depot. Bei 2 % Preissteigerung im Jahr sind das in heutigen Preisen rund 49.800 €. Lässt sie sich dieses Geld über 20 Jahre auszahlen, während der Rest weiter wächst, bekommt sie rund 229 € im Monat, ebenfalls in heutigen Preisen[R7]. Ohne Zulagen wären es rund 160 €, die Förderung allein bringt ihr also rund 69 € im Monat.

Zusatzrente mit Zulagen

229 €

im Monat, 20 Jahre lang, in heutigen Preisen

Ohne Zulagen

160 €

gleiche Sparrate, gleiches Wachstum

Zählst du die 276 € aus Hebel 3 dazu, kommst du auf die rund 500 € vom Anfang dieses Artikels. Ob das Depot für dich das Richtige ist, hängt allerdings auch davon ab, was du schon hast. Gibt es bei deinem Arbeitgeber zum Beispiel eine Betriebsrente, also eine Altersvorsorge über deinen Job mit Zuschuss vom Arbeitgeber, solltest du sie unbedingt mit vergleichen.

Hebel 5: Die Lücke als Paar ausgleichen

Wer beruflich zurücksteckt, tut das meist für die ganze Familie. Die Rechnung landet aber allein auf einem Rentenkonto. Genau darüber lohnt sich ein Gespräch am Küchentisch, am besten schon vor der Elternzeit und nicht erst Jahre später. Fair ist es, wenn am Ende beide aus den gemeinsamen Jahren gleich viel Rente haben. Ein Paar kann das zum Beispiel lösen, indem der besser verdienende Teil regelmäßig in die Vorsorge des anderen einzahlt.

Bei einer Scheidung übernimmt das automatisch der Versorgungsausgleich, der eure Rentenansprüche aus der Ehezeit aufteilt[17]. Genau das ist bei Nina und Tom passiert. Von den 252 € Abstand wandert die Hälfte, also rund 126 € Rente im Monat, von Tom zu Nina, den Bonus aus Hebel 1 hier nicht mitgerechnet. Auch ohne Scheidung können Ehepaare ihre Ansprüche teilen, das nennt sich Rentensplitting. Dafür müssen bei beiden mindestens 25 Jahre auf dem Rentenkonto stehen[18]. Das geht allerdings frühestens kurz vor der Rente und kostet dich die spätere Witwenrente, deshalb solltet ihr das in Ruhe durchrechnen.

Lebt ihr ohne Trauschein zusammen, gibt es weder Versorgungsausgleich noch Rentensplitting, und auch eine Witwenrente fällt weg[19]. Gerade dann solltet ihr schriftlich festhalten, wer wie viel in wessen Vorsorge einzahlt, denn von selbst gleicht hier niemand etwas aus.

Am Ende zählt das Gesamtbild aus Rentenkonto, Arbeitszeit, Partnerschaft und dem, was du schon angespart hast. Manchmal reichen schon Hebel 1 und ein kleiner monatlicher Sparbetrag. Wenn bei dir alles passt, sagen wir dir auch das.

Fazit

Die Rentenlücke entsteht nicht durch eine falsche Entscheidung, sondern durch viele richtige, deren Preis nur niemand ausrechnet. Genau das kannst du jetzt ändern. Schau zuerst auf dein Rentenkonto, rechne deine Lücke aus und sprich mit deinem Partner darüber. Danach weißt du, wie groß deine Lücke wirklich ist und welche Hebel zu dir passen.

Häufige Fragen zum Gender Pension Gap

Warum ist der Gender Pension Gap im Osten so viel kleiner?+

Der Gender Pension Gap ist im Osten so viel kleiner, weil Frauen dort im Schnitt mehr und Männer weniger Einkommen im Alter haben als im Westen. Für 2023 lag er mit Witwenrenten im Westen bei 31,5 % und im Osten bei 6,1 %, nur mit selbst Aufgebautem bei 43,8 % und 18,6 %[4]. Dazu passt der Arbeitsmarkt. Zählt man Stundenlohn, Arbeitszeit und den Anteil der Berufstätigen zusammen, liegt der Verdienst von Frauen im Westen 39 % unter dem der Männer und im Osten nur 22 %[9].

Zählt die Pflege von Angehörigen für die Rente?+

Ja, die Pflege von Angehörigen zählt für die Rente, wenn die Pflegekasse für dich Beiträge zahlt. Dafür muss die gepflegte Person mindestens Pflegegrad 2 haben, du pflegst mindestens 10 Stunden pro Woche an mindestens zwei Tagen und arbeitest daneben höchstens 30 Stunden. Ein Jahr Pflege bringt je nach Pflegegrad und danach, ob du Pflegegeld bekommst oder ein Pflegedienst mithilft, zwischen 7,34 € und 38,85 € Rente im Monat[20].

Schließt die Mütterrente III die Lücke?+

Nein, die Mütterrente III schließt die Lücke nicht, sie macht sie nur für ältere Mütter etwas kleiner. Mit dieser Neuregelung zählen ab dem 1. Januar 2027 auch für vor 1992 geborene Kinder drei statt zweieinhalb Jahre Kindererziehungszeit[21]. Das ist ein halber Rentenpunkt mehr pro Kind, also heute 21,26 € Rente im Monat. Für ab 1992 geborene Kinder ändert sich nichts.

Julia Kohnke, Vorsorgeberaterin bei zuversichert.de in Koblenz

Über die Autorin

Julia Kohnke

Koblenz · Versicherungs- und Finanzanlagenfachfrau (IHK), §34d/f GewO

Seit 2021 in der Finanzberatung, spezialisiert auf Konzeption und Strategie deiner Finanzen. Julia begleitet viele Berufseinsteiger:innen beim ersten Finanzplan, herzlich und direkt, vor Ort in Koblenz oder digital deutschlandweit.

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Quellen

  1. Statistisches Bundesamt, Alterseinkünfte nach Geschlecht sowie Gender Pension Gap (EU-SILC)
  2. Statistisches Bundesamt, Gleichstellungsindikatoren: Gender Pension Gap
  3. Deutsche Rentenversicherung, Hinterbliebenenrente
  4. Statistisches Bundesamt, Gender Pension Gap 2023, Pressemitteilung N016 vom April 2024
  5. Statistisches Bundesamt, Im Fokus Rente, Stand 09.04.2026
  6. Bundesrat, Verordnung über maßgebende Rechengrößen der Sozialversicherung für 2026 (Drucksache 567/25)
  7. Rentenwertbestimmungsverordnung 2026
  8. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung N035 von 2026 zu Arbeitszeit und Teilzeit
  9. Statistisches Bundesamt, Gender Gap Arbeitsmarkt 2025 unverändert bei 37 %, Pressemitteilung 064 vom 26.02.2026
  10. Deutsche Rentenversicherung, Kindererziehung: Ihr Plus für die Rente
  11. Statistisches Bundesamt, Sterbetafel
  12. Sozialgesetzbuch VI, § 70 Absatz 3a (Entgeltpunkte für Beitragszeiten)
  13. Minijob-Zentrale, Rentenversicherung im Minijob: Zweite Chance ab Juli 2026, 03.06.2026
  14. Teilzeit- und Befristungsgesetz, § 9 (Verlängerung der Arbeitszeit)
  15. Teilzeit- und Befristungsgesetz, § 9a (Zeitlich begrenzte Verringerung der Arbeitszeit)
  16. Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge
  17. Deutsche Rentenversicherung, Versorgungsausgleich
  18. Deutsche Rentenversicherung, Rentensplitting
  19. Sozialgesetzbuch VI, § 46 (Witwenrente und Witwerrente)
  20. Bundesgesundheitsministerium, Soziale Absicherung für Pflegepersonen
  21. Deutsche Rentenversicherung, Gemeinsame rechtliche Anweisungen zu § 307d SGB VI, Stand 07.07.2026

Rechnungen

  1. R1 · Rentenlücke in Euro. Eigene Alterseinkünfte 2025: Männer 28.473 € minus Frauen 18.233 € = 10.240 € im Jahr. Geteilt durch 12 sind das rund 853 € im Monat.
  2. R2 · Tempo der Lücke. 2023 lag die Lücke bei 37,7 %, 2025 bei 36,0 %. Das sind 1,7 Prozentpunkte in zwei Jahren, also 0,85 pro Jahr. 36,0 geteilt durch 0,85 ergibt rund 42 Jahre.
  3. R3 · Nina und Tom. Tom: 12 Jahre × 62.500 € ÷ 51.944 € = 14,44 Punkte. Nina: 2 Jahre Vollzeit (2,00) + 3 Jahre Kindererziehungszeit (3,00) + 7 Jahre halbtags (3,50) = 8,51 Punkte. Abstand 5,93 Punkte × 42,52 € = 252 € im Monat, über 20 Jahre (240 Monate) rund 60.542 €. Mit Ninas eigenem Gehalt in zwölf Jahren Vollzeit wären es 12,01 Punkte. Davon gehen 2,43 Punkte (103 €) auf das niedrigere Gehalt und 3,50 Punkte (149 €) auf Auszeit und Teilzeit zurück.
  4. R4 · Aufwertung bei Teilzeit. Halbtags bringt Nina 0,50 Punkte im Jahr. Die Aufwertung beträgt die Hälfte davon, also 0,25 Punkte (Grenze 0,33 je Jahr, zusammen höchstens 1 Punkt). 7 Jahre × 0,25 = 1,75 Punkte × 42,52 € = rund 74 € im Monat. Voraussetzung sind 25 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten.
  5. R5 · Minijob. 603 € × 12 ÷ 51.944 € = 0,139 Punkte × 42,52 € = 5,92 € Rente im Monat. Eigenanteil 21,71 € × 12 = 260,52 € im Jahr. 260,52 € ÷ 5,92 € = rund 44 Monate Rente, bis der Eigenanteil wieder drin ist.
  6. R6 · Zehn Stunden mehr. 26 Jahre (41 bis 67) × 0,25 Punkte mehr im Jahr = 6,5 Punkte × 42,52 € = rund 276 € im Monat, in heutigen Werten und vor Steuern. Dabei haben wir angenommen, dass Ninas Gehalt so wächst wie der Durchschnitt aller Versicherten.
  7. R7 · Altersvorsorgedepot. Eigenbeitrag 1.200 € im Jahr, Grundzulage 180 € + 210 € = 390 € (50 % auf 360 €, 25 % auf 840 €), Kinderzulage 300 € in den ersten 7 Jahren. 25 Jahre mit 5 % Rendite nach Kosten, vereinfacht jährlich gerechnet, bei 2 % Inflation ergibt rund 81.800 € und abgezinst rund 49.800 € in heutigen Preisen. Verrentung über 20 Jahre mit 3 % minus 2 % Inflation, also real 1 %: rund 229 € im Monat vor Steuern. Ohne Zulagen sind es rund 34.900 € und 160 € im Monat. Zulagen gesamt: 25 × 390 € + 7 × 300 € = 11.850 €. Die Rendite ist nicht garantiert.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die Inhalte entsprechen dem Stand vom 05.11.2026 und ersetzen keine individuelle Prüfung deiner Situation.

Gender Pension Gap: 853 € weniger Rente im Monat