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Ratgeber · Geldanlage

So funktioniert private Altersvorsorge mit ETF

Felix Kropp, Berater für Altersvorsorge in BerlinFelix Kropp Aktualisiert am 15. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit

Sparschwein, Smartphone mit Kurschart und Lupe auf dem Schreibtisch: private Altersvorsorge mit ETF planen

Mit ETFs kannst du auf drei Wegen fürs Alter vorsorgen. Mit einem freien ETF-Sparplan, mit einer ETF-Rentenversicherung und ab dem 1. Januar 2027 mit dem Altersvorsorgedepot, bei dem der Staat Zulagen dazulegt. Alle drei investieren ohne Garantie am Kapitalmarkt und haben deshalb gute Renditechancen, schwanken aber auch im Wert. Sie unterscheiden sich vor allem bei Förderung, Steuern und Flexibilität. Wer nur auf die Kosten schaut, übersieht deshalb oft das Wichtigste.

So funktioniert ein ETF-Sparplan

Ein ETF ist ein Fonds, der einen Börsenindex nachbildet, zum Beispiel die größten Unternehmen der Welt. Mit einem Sparplan kaufst du jeden Monat automatisch Anteile daran, schon ab kleinen Beträgen. So verteilst du dein Geld auf tausende Unternehmen und kannst Schritt für Schritt Vermögen aufbauen, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen.

In einem freien Depot bleibt das Geld jederzeit verfügbar. Eine Förderung vom Staat gibt es dafür aber nicht, und auf Gewinne zahlst du Abgeltungsteuer. Mit Solidaritätszuschlag sind das rund 26,4 %. Bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge steuerfrei, außerdem gilt der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr.

DREI WEGE IM VERGLEICH

ETF-Sparplan, ETF-Rentenversicherung oder Altersvorsorgedepot?

Alle drei Wege nutzen ETFs, verpacken sie aber unterschiedlich. Der freie Sparplan ist am flexibelsten. Die ETF-Rentenversicherung legt einen Versicherungsmantel um die Fonds und bringt Steuervorteile im Alter. Das Altersvorsorgedepot startet 2027 und ist der einzige Weg mit staatlichen Zulagen.

Freier ETF-Sparplan

Volle Flexibilität

STAATLICHE ZULAGE

0 €

keine Förderung

  • •Jederzeit Zugriff auf das Guthaben
  • •Abgeltungsteuer auf Gewinne, auch beim Umschichten
  • •Jedes Jahr Vorabpauschale möglich
  • •Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € nutzbar
  • •Keine Garantie, volles Marktrisiko

ETF-Rentenversicherung

Fonds im Versicherungsmantel

STAATLICHE ZULAGE

0 €

dafür Steuervorteile im Alter

  • •Fondswechsel im Vertrag ohne Steuern
  • •Bei Auszahlung ab 62 und nach 12 Jahren wird nur die Hälfte des Gewinns versteuert
  • •Lebenslange Rente möglich
  • •Meist höhere Kosten als im Depot
  • •Keine Garantie, volles Marktrisiko
AB 2027

Altersvorsorgedepot

Gesetz beschlossen, Start am 1. Januar 2027

STAATLICHE ZULAGE

540 €

Grundzulage pro Jahr, dazu bis zu 300 € je Kind

  • •Bis zu 540 € Grundzulage im Jahr
  • •Bis zu 300 € Kinderzulage je Kind
  • •Im Standarddepot höchstens 1,0 % Effektivkosten
  • •Keine Steuern auf Erträge in der Sparphase
  • •Geld bis zur Rente gebunden

Warum der Kostenvergleich allein in die Irre führt

Die häufigste Frage in unserer Beratung lautet, warum man nicht einfach alles in ein ETF-Depot steckt. Das Depot kostet schließlich nur wenig, der ETF vielleicht 0,2 % im Jahr. Der Vergleich greift aber zu kurz, denn ein Depot und eine Altersvorsorge sind unterschiedliche Werkzeuge.

  • Kostenlos ist kein Depot. Auch ohne Ordergebühr verdient der Anbieter mit, etwa über die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. In den Order-Details kannst du das nachsehen.
  • Umschichten kostet im Depot Steuern. Willst du später in einen anderen Fonds wechseln, zahlst du auf die bisherigen Gewinne rund 26,4 %. Je größer das Depot, desto teurer wird das.
  • Im Versicherungsmantel und im Altersvorsorgedepot kannst du Fonds wechseln, ohne dass Steuern anfallen. Eine Vorabpauschale gibt es dort auch nicht.
  • Im Alter zählt die Auszahlung. Eine ETF-Rentenversicherung kann Steuervorteile bringen und auf Wunsch eine Rente zahlen, solange du lebst.

Video aus unserer Beratung

ETF-Depot als Altersvorsorge? Das kann teuer werden

Felix und sein Team sprechen darüber, wo im scheinbar kostenlosen Depot die Kosten stecken, was beim Umschichten kurz vor der Rente passiert und warum es sich lohnen kann, beim Altersvorsorgedepot nicht gleich am ersten Tag einzusteigen.

Welcher Weg zu wem passt

Ob eine private Altersvorsorge mit ETF zu dir passt, hängt von deinem Zeithorizont, deinen Zielen und deiner Risikobereitschaft ab. Alle drei Wege schwanken mit dem Markt. Sie eignen sich deshalb vor allem für Menschen, die zehn Jahre oder länger sparen und Kursverluste zwischendurch aussitzen können.

  • Der freie Sparplan passt, wenn du jederzeit an dein Geld kommen möchtest, etwa für eine Wohnung, ein Auto oder eine Auszeit.
  • Die ETF-Rentenversicherung passt, wenn du sehr lange sparst, später nicht selbst umschichten möchtest und dir eine lebenslange Rente wichtig ist.
  • Das Altersvorsorgedepot passt, wenn du förderberechtigt bist und die Zulagen mitnehmen möchtest. Dafür ist das Geld bis zur Rente gebunden, und genau hier unterscheiden sich freies Sparen und das Altersvorsorgedepot am deutlichsten.

Kurz-Quiz

Welcher Weg passt zu dir?

Fünf kurze Fragen, danach weißt du, in welche Richtung es für dich gehen kann.

Depot und Vorsorge als Team

In der Beratung sehen wir selten, dass ein einziger Weg für alles reicht. Besser funktioniert eine Mischung, die mit deinem Leben mitwächst. Am Anfang des Berufslebens ist Geld, an das du jederzeit herankommst, besonders wichtig. Von 200 € Sparrate dürfen dann ruhig 150 € ins freie Depot fließen und 50 € in die Altersvorsorge. Steigt dein Einkommen, verschiebst du das Verhältnis Schritt für Schritt Richtung Vorsorge.

Typisch für Angestellte ist eine Mischung aus Betriebsrente mit Zuschuss vom Arbeitgeber, einer ETF-basierten Vorsorge und einem freien Sparplan. Das Altersvorsorgedepot kann ab 2027 als weiterer Baustein dazukommen. „Als grobe Richtung empfehle ich, 10 bis 15 % vom Netto in die Vorsorge zu stecken“, empfiehlt zuversichert-Berater Felix.

Teuer wird es meist nicht durch das einzelne Produkt, sondern durch Hin und Her. Viele halb angesparte Verträge, die nach ein paar Jahren gewechselt oder stillgelegt werden, kosten jedes Mal neu. Lass dir deshalb vor dem Abschluss die Kosten zeigen und bleib dann bei deiner Strategie.

Der richtige Zeitpunkt für den Start

Beim Vermögensaufbau zählt vor allem die Zeit. Je früher du beginnst, desto länger arbeitet der Zinseszins für dich. Erträge werden wieder angelegt und bringen in den Folgejahren selbst Erträge. Wer früh startet, kommt auch mit kleinen Beträgen weit.

Ein späterer Einstieg lohnt sich trotzdem. Bei kürzerer Laufzeit werden Zulagen und Steuervorteile wichtiger als die Hoffnung auf gute Börsenjahre. Auf den perfekten Moment am Markt musst du nicht warten. Plane aber von Anfang an ein, dass der Wert zwischendurch fallen kann.

Chancen und Risiken im Überblick

KriteriumFreier ETF-SparplanETF-RentenversicherungAltersvorsorgedepot (ab 2027)
RenditechanceMarktabhängig, historisch hochMarktabhängig, abzüglich VertragskostenMarktabhängig, plus Zulagen
RisikoKeine Garantie, Kursverluste möglichKeine Garantie, Kursverluste möglichKeine Garantiepflicht, Kursverluste möglich
KostenMeist niedrig, je nach AnbieterMeist höher, Abschluss- und VerwaltungskostenIm Standarddepot höchstens 1,0 % Effektivkosten
VerfügbarkeitJederzeitKündbar, aber oft mit Verlust in den ersten JahrenBis zur Rente gebunden, sonst ist die Förderung weg

Quelle: Bundesfinanzministerium, Einkommensteuergesetz · Stand: Altersvorsorgereformgesetz (beschlossen 2026, gilt ab 2027)

Steuern beim Sparen und im Alter

Bei den Steuern auf die Altersvorsorge unterscheiden sich die drei Wege am stärksten, beim Sparen genauso wie bei der Auszahlung.

KriteriumFreier ETF-SparplanETF-RentenversicherungAltersvorsorgedepot (ab 2027)
In der SparphaseVorabpauschale und Abgeltungsteuer, auch beim UmschichtenKeine Steuern, auch nicht bei FondswechselnKeine Steuern auf Erträge
Entlastung1.000 € Sparer-Pauschbetrag, 30 % Teilfreistellung bei Aktien-ETFsKeine Förderung beim EinzahlenZulagen, Beiträge bis 1.800 € plus Zulagen als Sonderausgaben absetzbar
Bei AuszahlungRund 26,4 % auf noch nicht versteuerte GewinneAls Kapital ab 62 und nach 12 Jahren nur die Hälfte des Gewinns mit deinem Steuersatz, als Rente nur ein kleiner ErtragsanteilAuszahlungen aus geförderten Beiträgen voll mit deinem persönlichen Steuersatz

Quelle: Bundesfinanzministerium, Einkommensteuergesetz · Stand: Altersvorsorgereformgesetz (beschlossen 2026, gilt ab 2027)

Auszahlung im Ruhestand

Aus einem freien Depot entnimmst du das Geld, wann und wie viel du möchtest. Meist verkaufst du dabei nicht alles auf einmal, sondern lässt den Großteil weiter angelegt und entnimmst regelmäßig einen Teil. Ist das Geld aufgebraucht, ist es aber weg. Lebst du sehr lange, kann das zum Problem werden.

Beim Altersvorsorgedepot wählst du zu Rentenbeginn zwischen einem Auszahlplan, der mindestens bis zu deinem 85. Geburtstag läuft, und einer lebenslangen Rente. Bis zu 30 % des Guthabens kannst du dir zu Beginn auf einmal auszahlen lassen. Bietet dein Depotanbieter selbst keine Rente an, kannst du zum Rentenbeginn noch wechseln, etwa zu einer Versicherung. Eine ETF-Rentenversicherung zahlt auf Wunsch eine Rente bis zum Lebensende. Das ist der größte Unterschied im Vergleich von Rentenversicherung und ETF-Depot, denn ein Depot kann leer werden.

Altersvorsorgedepot-Rechner

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Finde unverbindlich heraus, wie viel der Staat bei deiner Sparrate dazulegt, und vergleiche ein freies ETF-Depot direkt mit dem Altersvorsorgedepot.

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Fazit

ETFs sind ein guter Kern für die private Altersvorsorge. Die Frage ist weniger, ob du ETFs nutzt, sondern in welcher Verpackung. Der freie Sparplan gibt dir Flexibilität, die ETF-Rentenversicherung Steuervorteile und eine lebenslange Rente, das Altersvorsorgedepot ab 2027 staatliche Zulagen. Statt nur die Kosten zu vergleichen, lohnt sich ein Blick auf Steuern, Auszahlung und deine Lebensphase. Für die meisten passt am Ende eine Mischung aus mehreren Bausteinen, die du mit der Zeit anpasst.

Häufige Fragen zur ETF-Altersvorsorge

Ist ein ETF als Altersvorsorge sinnvoll?+

Für viele ist ein breit gestreuter ETF ein guter Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau. Weil es keine Garantie gibt, trägst du das Kapitalmarktrisiko und musst zwischenzeitliche Kursverluste aushalten können. Allein reicht er oft nicht, weil er weder Zulagen noch Steuervorteile für die Rente bietet.

Warum verlieren manche Anleger:innen mit ETFs Geld?+

Meist, weil sie in einer Börsenkrise im Tief verkaufen, statt den langen Anlagehorizont abzuwarten. Ein breit gestreuter Sparplan gleicht kurzfristige Schwankungen nur aus, wenn das Geld lange genug investiert bleibt.

Ist ein ETF-Depot bei einem Neobroker wirklich kostenlos?+

Nein. Auch wenn keine Ordergebühr angezeigt wird, verdient der Anbieter an anderer Stelle, zum Beispiel über die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Die Kosten stehen in den Order-Details, du musst nur nachsehen.

Wie wird ein ETF-Sparplan im Alter versteuert?+

Im freien Depot zahlst du rund 26,4 % Abgeltungsteuer auf Gewinne, bei Aktien-ETFs bleiben 30 % davon steuerfrei. Steuern fallen auch an, wenn du vor der Rente umschichtest. Im Altersvorsorgedepot und in einer ETF-Rentenversicherung bleiben Erträge und Fondswechsel in der Sparphase steuerfrei.

Welche Vorteile bietet das Altersvorsorgedepot gegenüber einem freien Sparplan?+

Ab 2027 gibt es staatliche Zulagen von bis zu 540 € im Jahr, dazu bis zu 300 € je Kind, und Steuervorteile. Dafür ist das Geld bis zum Rentenbeginn gebunden, während ein freier ETF-Sparplan jederzeit verfügbar bleibt.

Felix Kropp, Berater für Altersvorsorge in Berlin

Über den Autor

Felix Kropp

Berlin · Versicherungs- und Finanzanlagenberater (§34d/f GewO)

20 Jahre Finanzberatung, Spezialist für Altersvorsorge und private Krankenversicherung. Felix erklärt komplexe Finanzthemen klar und ohne Fachchinesisch, persönlich am Kurfürstendamm oder digital deutschlandweit, auf Wunsch auch auf Englisch.

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Quellen

  1. Bundesfinanzministerium, FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge
  2. Bundesregierung, Reform der privaten Altersvorsorge
  3. Investmentsteuergesetz, § 20 Teilfreistellung
  4. Einkommensteuergesetz, § 20 (Sparer-Pauschbetrag, Versicherungserträge)
  5. Einkommensteuergesetz, § 22 (Ertragsanteil bei Renten)

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die Inhalte entsprechen dem Stand vom 15.10.2026 und ersetzen keine individuelle Prüfung deiner Situation.